auto-exclusive

Wiesmann

Wiesmann-News

 

Wiesmann: Kompakt, puristisch und bärenstark

03.02.2012

Kompakt duckt sich der Wiesmann Roadster MF3 über der Strasse und bei flüchtigem Blick könnte er mit einem Austin-Healey verwechselt werden. Seit 1993 baut Wiesmann in Dülmen südwestlich von Münster Sportwagen wie den MF3 sowie die Modelle MF4 und MF5 im Geiste der Roadster-Ikone AC Cobra. Dies sind allesamt potente automobile Sportler mit der Antriebstechnik von BMW. Derzeit entstehen in der Manufaktur die letzten Exemplare des MF3, mit dem das Unternehmen seine Fahrzeugproduktion begonnen hatte.

Denn von dem legendären BMW-Reihensechszylindermotor mit 3,2 Liter Hubraum stehen nur noch wenige Exemplare zur Verfügung. 18 verschiedene Vorschläge für Farbgebung und Ausstattung haben die Designer Christian und Michael Sieger für den Zweisitzer entwickelt, doch der Wagen ist nach persönlichen Vorstellungen frei konfigurierbar. Kein Wiesmann ist mit einem anderen identisch.

wiesmann 1236.1



1993 begann Wiesmann in Dülmen mit der Autoproduktion. Nun läuft der MF3 aus. BMW stellte keine passenden Motoren mehr her.

Eine Variante der „final edition by Sieger“ des MF3 heisst „Polar Bear“. Passend zur äusseren Farbgebung ist der Innenraum mit hell- und dunkelblauem, rotem und weissem Leder grosszügig ausgekleidet. Das Ambiente korrespondiert nicht wirklich mit den frostigen Temperaturen am Tag der Testfahrt, vor der es einige Hinweise zur Bedienung gibt. Zunächst muss sich der Fahrer förmlich in das Fahrzeug einfädeln.

Das gelingt vor allem jenen Zeitgenossen gut, die bei durchgedrückten Beinen die Fussspitzen mit den Händen erreichen können. Also: rechtes Bein über den hohen, breiten Schweller in den Fussraum stecken, Kopf einziehen und Körper in den Sitz schieben, linkes Bein nachziehen. Schon umklammert die Sitzschale den Fahrer, die linke Schulter hat nach dem Zuziehen der Tür mittels Lederschlaufe fast Kontakt zur Seitenscheibe. Wer einmal sitzt, muss erstaunt feststellen, dass das Cockpit trotz des knappen Zuschnitts genug Platz für 1,95 Meter lange Passagiere gewährleistet.

wiesmann 1236.3


Die Heckansicht des Wiesmann MF3 gewinnt durch die jeweils vier runden Rückleuchten pro Seite Unverwechselbarkeit.

Faszinierend die vielen liebevoll detaillierten Bedienelemente wie der Entriegelungsknopf für die Gepäckraumklappe, der ganz versteckt liegt. Dagegen wirft die Klimatisierung über den Drehschalter keine Fragen auf. Die Schaltgeschwindigkeit ist mit einer Taste hinter dem Gangwahlhebel einstellbar, und Puristen dürfen das ESP abschalten.

Die Sitzverstellung erfolgt mechanisch, die Fenster werden gekurbelt und die Spiegel von Hand justiert. Zur Probe wird das mechanische Verdeck geöffnet: zwei Riegel entsichern und die Stoffmütze nach hinten klappen fertig. Schalter und Hebel aus Aluminium und Edelstahl scheinen nicht nur, sondern sind tatsächlich aus dem Vollen gedreht. Alles ist erlebbare Qualität statt Massenware.

wiesmann 1236.2


Mit Stilelementen britischer Roadster und einer langen Motorhaube kreierte Wiesmann mit dem MF3 einen unverwechselbaren Klassiker.

Hinter den Sitzen gibt es etwas Platz für Gepäck, zusätzlich finden sich im Heck 175 Liter Stauraum. Eine Gepäckbrücke aus Edelstahl ist als Extra für knapp 2000 Euro erhältlich. Sie wird über dem Heckdeckel montiert und kann dann das vielzitierte Golfbag aufnehmen.

Auf Wunsch sind Kartentaschen am Getriebetunnel lieferbar, und neben dem Handschuhfach bietet die Mittelkonsole weitere Ablagemöglichkeiten.
Wir drehen den Zündschlüssel, positionieren den Wählhebel des automatisierten Getriebes so, dass im kleinen Display vor dem Fahrer eine „0“ erscheint und drücken bei getretener Bremse den Startknopf. Der 3246 ccm grosse Langhuber erwacht spontan zum Leben.

Seine mechanischen Komponenten tickern vernehmbar, aus den zwei Endrohren blubbert es sonor. Der Gangwahlhebel wird nach rechts geschoben, im Display erscheint eine „1“, es geht los. Wahlweise via Lenkradschaltwippen oder mit dem Wählhebel lässt sich die Gangwahl organisieren. Jeder noch so feine Dreh am kleinen, leichtgängigen Volant bewirkt eine direkte Lenkreaktionen.

Die Übersichtlichkeit nach vorne über die gefühlt längste Motorhaube seit dem seligen E-Type von Jaguar ist gut, das gibt schnell Vertrauen, die gebotene Leistung auch auszukosten. 343 PS lassen den weniger als 1200 Kilogramm schweren Zweisitzer bei Bedarf in knapp fünf Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 255 km/h angegeben. Was wir wegen der winterlichen Temperaturen ungeprüft glauben. Gegen Aufpreis sind verschiedene kurze Hinterachsübersetzungen lieferbar, die noch druckvolleres Beschleunigen erlauben.

wiesmann 1236.4


Beim Wiesmann MF3 sind klassische Rundinstrumente über der Mittelkonsole in weiches Leder gebettet.

Kurvige Landstrassen frisst der Wiesmann förmlich. Aber der gute Geradeauslauf verleiht auch schnellen Autobahnetappen Fahrvergnügen mit latentem Suchtpotential. Perfekt zu den hohen Fahrleistungen passen die bissigen Bremsen. Sieben zum Fahrer hin ausgerichtete Rundinstrumente in der Cockpitmitte informieren umfassend über die aktuellen technischen Befindlichkeiten des Roadsters. Noch sinnenfroher gebärden sich die Rückmeldung der Antriebseinheit: Sie orgelt, bratzelt und bollert, stets präsent, gelegentlich fast aufdringlich.

Wegen der wohligen Gänsehaut, die diese Lebenszeichen des MF3 erzeugen, darf diese Feststellung nicht als Kritik verstanden werden. Was generell schwer fällt, weil das Fahrzeug einen solch überzeugenden Qualitätseindruck hinterlässt und es auch auf schlechtester Wegstrecke keinerlei Knack- oder Knistergeräusche von sich gibt, selbst bei haarstreubensten Verwindungen: Handarbeitsqualität Made in Germany. Das unterscheidet den Wiesmann dann doch ganz klar von den klassischen englischen Roadstern. Insgesamt rund 1500 Autos hat Wiesmann bis heute gefertigt und entsprechend routiniert verarbeitet präsentieren sich die aktuellen Fahrzeuge.

Trotz rationaler Gründe bleibt der Kauf eines Wiesmann doch eine emotionale Entscheidung für puren Fahrspass. Schliesslich müssen vor diesem Vergnügen wenigsens 119‘900 Euro locker gemacht werden.

www.wiesmann.com


José Peixoto/pd

 

 

Weitere Wiesmann-Reportagen:

Wiesmann: Kompakt, puristisch und bärenstark
Wiesmann: Kompakt, puristisch und bärenstark
03.02.2012
Nach 18 Jahren endet die Produktion des Wiesmann MF3
Nach 18 Jahren endet die Produktion des Wiesmann MF3
06.12.2011
BLACK BAT - DES WIESMANNS NEUE KLEIDER
BLACK BAT - DES WIESMANNS NEUE KLEIDER
15.11.2011
Wiesmann Spyder
Wiesmann Spyder
15.03.2011
Wiesmann: Neue Turbomotoren
Wiesmann: Neue Turbomotoren
09.12.2010
Aus für Wiesmann Top-Modell
Aus für Wiesmann Top-Modell
24.08.2010
Europäische Kleinserientypgenehmigung für Wiesmann
Europäische Kleinserientypgenehmigung für Wiesmann
20.07.2009
Wiesmann Roadster MF4
Wiesmann Roadster MF4
01.04.2009
Neuer Motor für den Wiesmann GT MF4
Neuer Motor für den Wiesmann GT MF4
24.02.2009
20. Jahre Wiessmann: als Geschenk gibt es 3 Sondermodelle
20. Jahre Wiessmann: als Geschenk gibt es 3 Sondermodelle
26.12.2008
Wiesmann Sportwagenmanufaktur bietet Führungen an
Wiesmann Sportwagenmanufaktur bietet Führungen an
20.08.2008
Der neue Wiesmann GT MF5
Der neue Wiesmann GT MF5
15.04.2008
Überwältigende Resonanz bei der Eröffnung der Wiesmann Manufaktur
Überwältigende Resonanz bei der Eröffnung der Wiesmann Manufaktur
15.04.2008
Eröffnung der neuen Wiesmann Manufaktur auf nächsten Jahr geplant
Eröffnung der neuen Wiesmann Manufaktur auf nächsten Jahr geplant
07.09.2007

News aller Marken

 

Der kostenlose AE-Newsletter

Die aktuellsten Auto-News nie mehr verpassen: